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Teilprojekt S2


Personalisierung: Subjektivierung und Autorität

 

Prof. Dr. Ulrich Bröckling
Prof. Dr. Andreas Urs Sommer
Prof. Dr. Nicola Spakowski
Prof. Dr. Magnus Striet

Institut für Soziologie
Philosophisches Seminar
Institut für Sinologie
Theologische Fakultät


 Heldinnen und Helden wird einerseits Autorität zugesprochen, weil und insofern ihnen gefolgt und zu ihnen aufgeschaut wird. Andererseits liefern sie Modelle der Selbstbeschreibung, Selbstformung sowie Handlungsorientierung und wirken in diesem Sinne subjektivierend. Heroische Autoritätsbindungen und heroische Subjektanrufungen verbindet eine Logik der Personalisierung:
  Nicht stärkere Waffen, überlegene Ressourcen, die Berufung auf Tradition, Legitimation durch Verfahren oder der zwanglose Zwang des besseren Arguments begründen hier Gehorsam und Unterordnung, nicht allgemeine Wertehorizonte, Verhaltenskodizes oder Nutzenkalküle formen hier das Selbst, sondern das Nachahmung fordernde Vorbild oder die bewundernde Verehrung einer exzeptionellen Gestalt. Die bisher im SFB erarbeiteten Fallstudien haben den Konnex von personalisierten Autoritätsbindungen und asymmetrischen Subjektivierungsweisen eingehend beschrieben und historisch eingeordnet. Sie werden nun explizit zum Gegenstand theoretischer Reflexion gemacht. Das TP verfolgt dabei zwei komplementäre Fragestellungen:
 Auf der einen Seite sollen die in den vergangenen Förderphasen gewonnenen Erkenntnisse über heroische Subjektentwürfe sowie Helden als Autoritätsfiguren zusammengeführt und übergreifende Merkmale heroischer Subjektanrufungen und Führungsverhältnisse herausgearbeitet werden.
Dazu gehören narrative Muster der Autorisierung, die Attribution von Exzeptionalität und
Handlungsmacht, sozialpsychologische Dynamiken der Identifikation und Projektion, die Reduktion komplexer Interdependenzgeflechte auf personalisierte Gefolgschaftsbeziehungen sowie die sozial bindende Kraft des Opfers. Um ausgehend von den geleisteten historischen Fallstudien die theoretische Durchdringung zentraler Aspekte des Heroischen zu vertiefen, sollen analytische Konzepte und empirische Befunde der Autoritarismus- und Subjektivierungsforschung in dieser Perspektive herangezogen und weitergeführt werden. Ergänzend dazu sollen in der Arbeit des SFB bislang wenig berücksichtigte, aber für das Verständnis von Heroisierungen und Heroismen grundlegende Diskursfelder untersucht werden. Das gilt insbesondere für politisch-philosophische, pädagogische, sozialpsychologische und ethische Zugänge. Analysiert werden sollen in diskursgeschichtlicher und wissenssoziologischer Perspektive disziplinäre Rechtfertigungsordnungen und Problematisierungen, die Modelle heroischer Autoritätsbindung und Subjektivierung verhandeln.
  Auf der anderen Seite sollen die im SFB erarbeiteten Erkenntnisse produktiv gemacht werden, um genauer zu verstehen, wie personengebundene Autoritätsbeziehungen zustande kommen, aufrechterhalten werden oder erodieren und welche Subjektivierungseffekte sie zeitigen. Das Heroische wird damit selbst zum Explanans. Untersucht werden soll, wie in exemplarischen Feldern (politische Regime, Unternehmen, religiöse Gruppen, scientific communities, pädagogische Institutionen) sich personale Autoritätsansprüche und Subjekttypen formieren und dabei einem Muster folgen, das gerade für die Bindung an Heldenfiguren charakteristisch ist. Heroische Autoritätsbindungen und Subjektanrufungen finden sich in westlichen und nichtwestlichen Gesellschaften, unterliegen aber jeweils spezifischen Ausprägungen. Dies wird exemplarisch an China herausgearbeitet, das mit seinem autoritären politischen System und dem Glauben an die formende Kraft von Vorbildern in Konfuzianismus und Maoismus besonders projektrelevant ist. Das TP ist insgesamt stark gegenwartsanalytisch angelegt.

 

Anmeldung
Der interne Bereich finden Sie nun auf der Teamplattform des SFB 948. Hinweise zum Login und zur Bedienung der Teamplattform finden Sie in diesem Dokument.